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Django Asül beim Seesener Kulturforum

Seesen (jf) Noch ein bayrischer Kabarettabend innerhalb kurzer Zeit beim „Seesener Kulturforum“. Auch Django Asül, blau-weißer Kabarettist mit Migrationshintergrund, hat die Aula im Schulzentrum nahezu gefüllt. Allerdings konstatiert er zu Beginn: „Mein Publikum ist jünger als sonst. Alle deutlich unter 70!“ Nun gut, auch Jugend ist mit von der Partie. Er habe sein Trachtensakko zu Haus gelassen, zur Zeit sei es unangenehm, außerhalb Bayerns als solcher wahrgenommen zu werden. Man merkt bereits, Django nimmt Anlauf für die Aktualität und zu Guttenberg. Man müsse sich inzwischen fragen, ob er seinen Adelstitel von Konsul Weyer erhalten oder gar aus dem Internet downgeloadet habe. Außerdem sei Guttenberg Franke!

„Fragil“ heißt Djangos Programm und in dem Sinne stellt er kolportierte Realitäten sofort wieder in Frage. Immerhin: Der Merkel-Dr. stamme aus der DDR! Noch fragwürdiger sei der Dr. des Außenministers, den habe Westerwelle wahrscheinlich von der Fern-Uni Hagen erhalten. Das alles musste aus kabarettistischer Aktualität am Anfang wohl gesagt werden.

Ansonsten zerschmeißt Django Asyl temperamentvoll das fragile politische Geschirr jeder Couleur. Auch Sigmar Gabriel, Rösler und Seehofer, Bundespräsident und Papst, Sarrazin und Frau, Fifa-Chef Blatter („Schwager von Berlusconi!“) bekommen Sprünge in ihre Schüsseln; Erika Steinbach wird zur Sarrazina, von der Leyen - „ein großer Wurf“ - wird zur Allzweckwaffe.

Django Asyl lässt das vergangene Jahr Revue passieren. Das stehen die Jahrestage zum Mauerfall im Bühnenlicht, ebenso Ramsauer („Ramses aus der Asche“) und der spuckende Vulkan in Island, Abwrackprämien für Autos und schwer erziehbare Kinder, Probleme mit den Arbeitslosenstatistiken.

Django spricht bayrisch, für norddeutsche Ohren nicht immer sofort verständlich. Probleme mit der Integration habe er als Abiturient, im Tennisclub spielend und als Angestellter nie zu spüren bekommen. Von Frau Merkel sei vor 20 Jahren kein Sprachtest verlangt worden, und sein Vater lebe seit 35 Jahren hier und solle nun „plötzlich Integration machen!“.

Nach der Pause dreht Django Asyl weiter auf, er plaudert mit dem Publikum, schlagfertig, über die Körper-“Haltung des Öffentlichen Dienstes“, über das Frauenhofer-Institut, Schreiner und Holzforschung.

Django macht sich Gedanken über das Deutsch-Werden, über Identität und Integration und: „Mein Vater hat es nicht geschafft, aus mir ein ganz normales Kind mit Migrationshintergrund zu machen!“ - Mit den Einwürfen eines Fußball-Jugendtrainers vom Spielfeldrand aus macht er „Präventivität und zwar vorher!“ kabarettistisch deutlich, Erfahrungen und Erwartungen an Nacktscanner werden anekdotisch zerpflückt. - Eine „Blutegeltherapie“ im Wellnessstudio reicht bis „zum Auskotzen“.

Das Publikum ist begeistert und dankt mit viel Applaus. Die Tournee zieht den Bayern Django Asyl in den nächsten Tagen noch weiter nach Norden. Aber irgendwann in Zukunft wird er sich wieder beim Seesener Kulturforum einfinden.

Bericht: Joachim Frassl
Fotos: Antonio Mateo & Eileen Wunderlich

Foto: Antonio Mateo

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Foto: Eileen Wunderlich

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Foto: Antonio Mateo

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Nachricht vom 25.2.11 16:38

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