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Lydie Auvray Trio - Musetterie beim Seesener Kulturforum

Lang ist es her. Jetzt war Lydie Auvray wieder einmal Gast beim Seesener Kulturforum. Die beiden Herren Markus Tiedemann (Gitarren, Bass) und Eckes Malz (Piano, Percussion) komplettierten das Trio. Lydie hat sich eigentlich gar nicht verändert, auch ihr weißes Musette-Akordeon nicht. Nach dreißigjähriger Bühnenpräsenz bietet sie allerdings „ein ruhigeres Programm“ an als seinerzeit mit den „Auvrettes“. Der typische Musette-Klang im zweichörigen Register begleitet das Publikum fast den ganzen Abend über. Erst Musette-Klang im Vierertakt, Tango. Dann das „Chemin de l´Eglise“ im Walzertakt; der Titel weist eigentlich nach Kanada (Quebec), aber die musikantische „Straßenmusik“ des Trios erinnert an Paris, weil uns wahrscheinlich immer wieder Maigret begegnet. Ein Bossa Nova (Komponist: Tiedemann!) wird einchörig und ohne Akkordeon-Bass begleitet. „Chanson d´Amour“ zeigt den Versuch ein Liebeslied zu schreiben „ohne ratatatataa!“ Lydies Gesang ist etwas rauchig, Markus Tiedemann übernimmt Melodie und Improvisation. Das folgende Thema „Avril“ ist eine Komposition von Eckes Malz am Keyboard.

Lydie Auvray zeigt sich einfallsreich im Erfinden französischer Sprachvarianten: Eckes fungiert als ihr „Pianeur“, ein Titel schließlich heißt „Musetterie“. Dabei ist das gesamte Konzert beim Seesener Kulturforum eine durchgängige Musetterie, die sich hauptsächlich in den Bandbreiten der Ohrwurm-Harmonien bewegt, hoch in den Tönen, in der Sequenz ins sentimentale Moll gleitend; die Achtelketten umspielen den Takt. Auch in „Complaintes“, dem „Klagelied“ anlässlich Fukushima, bringt das Akkordeon nichts Neues, so aber Eckes am elektronischen Drum-Pad.

Holen wir die Musettes von der Straße: Die „Ginguettes“ sind Ausflugslokale, am Wasser gelegen, in denen auch zum Tanz aufgespielt wird. Lydie spielt solistisch „Ma Java“, wobei sie in typisch engem Tanz sich bewegt; ihr Partner ist das Akkordeon. Es ist ein temperamentvoller Tanz und hinterher gerät ihre Zwischenconference ein wenig außer Atem. Französisch-orientalisch wird „Couscous“ geboten, wobei das Französische vorherrschend bleibt. Leichter Jubel keimt auf, als das Trio Serge Gainsburgs „L´Accordéon“ spielt. Elke Heidenreich ist „Else“ gewidmet. Musette dominiert, das Akkordeon herrscht, Eckes Malz am Keyboard ordnet sich mit durchsichtigen E-Piano-Klängen unter, während Markus Tiedemann kreative Gegenstimmen einbringen kann („Time“/“Le Temps“). Der Tango „Julia“ mit feinen Bassklangfarbänderungen verstärkt den Wunsch: Es sollte öfter Tango-Time sein.

Spannend wird zum Schluss „Maigret´s letzter Fall“. Lydie sagt: „Es ist eine Art musikalischer Krimi“ und in der Tat tastet sich das Akkordeon langsam an den Fall heran, steigert sich zu dramatischen Sequenzen, … unverkennbar Maigret, wenn auch der TV-Ohrwurm aus den 60er Jahren nur angedeutet bleibt. Das Trio entführt in andere Weltgegenden, nach Louisiana, zu den Cajuns, in die Karibik nach Martinique und mit „El Cidre“ schließlich nach Mexiko.

Das Publikum fordert und erhält die notwendigen Zugaben. Lydie Auvray beschließt den Abend solistisch mit „Musetterie“. Jetzt fehlen nur noch eine nahe Baguetterie, eine Fromagerie und ein gutes Glas Wein.

Joachim Frassl

Antonio Mateo

Antonio Mateo

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Antonio Mateo

Antonio Mateo

Antonio Mateo

Antonio Mateo

Antonio Mateo

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Antonio Mateo

Antonio Mateo

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Antonio Mateo

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Antonio Mateo

Antonio Mateo

Fotos: Antonio Mateo und Katharina Schlicht

Nachricht vom 4.12.11 00:17

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