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Florian Schroeder & Volkmar Staub beim Seesener Kulturforum

Florian Schroeder und Volkmar Staub waren zu Gast beim Seesener Kulturforum. Weit liegen sie nicht entfernt voneinander, jedenfalls ihre Geburtsorte Lörrach und Brombach, und zusammengefunden haben sie sich auf der Kabarettbühne, um die „Zugabe – der kabarettistische Jahresrückblick“ für 2012 zu präsentieren.

Das Publikum begrüßen sie mit Glückwünschen, am liebsten per Handschlag, für den errungenen „Friedensnobelpreis“. Das Preisgeld, auf alle EU-Bürger verteilt, ergäbe 0,18 Cent pro Person. In guter Tradition mit früheren Medaillengewinnern müsse nun irgendwo einmarschiert werden; in Afghanistan wäre man schon und die Kanzlerin hätte den Einmarsch auch in Griechenland geschafft.

Der Rücktritt Wulffs ist kurzes Thema, dabei auch der geforderte „Ehrensold“. Florian Schroeder sagt dazu „Ein Land von Schnäppchenjägern hat keinen anderen Bundespräsidenten verdient!“ und sieht das Amt als „Silikonimplantat der Republik“.

Volkmar Staub greift zur Gitarre und rock´n rollt „Hier kommt der Altmeier“. Eine Wohnungsvisitation durch einen Umweltministerialen (Schroeder) forscht beim Grob- oder Feinstaub nach Umweltsünden. Im Oster-Rückblick führt Staub zu Günter Grass und zu seinem Israel-Gedicht. Er schüttet den Grass-Duktus hier über die Schweizer aus. Das ist eine intelligente Parodie und führt zu einem Déjà-entendu.

Spätestens hier wird deutlich, wo die Unterschiede der beiden Kabarett-Charaktere liegen: Schroeder ist der frech-lockere Comedian, mimischer und sprachlicher Parodist von allen VIPs, die ihm in den Mund kommen, Staub dagegen der schwerblütige (und schwerere), blitzgescheite Literat und Wortsetzer. Das wird auch in seiner (Winnetous) barbäuchig-gewichtigen Ansprache an „meine roten Brüder von den Sozialdemokraten“, an „Häuptling harte Kante“ Peer Steinbrück, den „Finanz-Schamanen“ deutlich. Es geht um Inhalte und um „Money too“. Fazit für die Angesprochenen: „Keine Peerspektive“.

Die Probleme des Papstes wegen des kämmerlichen Geheimnisverrats und des Titanic-Titelbildes führen zur Frage „Was darf Satire?“ Die Meinung der Kabarettisten ist eindeutig: „Jeder hat das Recht, verarscht zu werden!“ So auch das Publikum beim Seesener Kulturforum: „Von Weltpolitik keine Ahnung, aber ins Kabarett rennen!“

Florian Schroeder schleudert parodistische Brocken gegen Beckmann, Seehofer, Jogi Löw, Dieter Nuhr und Thomas Gottschalk. Ein Highlight dabei ist seine Fleisch- und Wortwerdung des Ottfried Fischer als Moderator in seinem „Schlachthof“.

Das Schroeder-Staub-Programm patchworkt Ereignisse des vergangenen Jahres. Die unterschiedlichen Charaktere der Akteure kolorieren die verschiedensten, teilweise auch gemeinsam gespielten Szenen. Es sind in der Regel Wechselspiele und keine Doppelconferencen. Mehrere Déjà-vues bei Schroeder führen in seine Fernsehauftritte in der ARD zum Jahreswechsel. Staub fragt noch einmal, jetzt aber in Bezug auf Günter Grass und Fußballfeld: „Warum schweige ich nicht?“ zu Balotelli.

Für jeden Zuschauer im Aula-Saal beim Seesener Kulturforum war etwas Begeisterungswürdiges dabei. Wer jetzt Fan von Staub und wer von Schroeder war oder geworden ist, bleibt unklar. Das Publikum dankt mit viel Applaus, erhält postwendend eine lange Zugabe, die allerdings überproportional der kabarettistischen Anpreisung der Merchandising-Produkte der Künstler gewidmet ist.

Joachim Frassl

Antonio Mateo

Antonio Mateo

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Antonio Mateo

Antonio Mateo

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Antonio Mateo

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Nachricht vom 28.1.13 17:45

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