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Django Asül beim Seesener Kulturforum

Django Asül ist zum wiederholten Male Gast am Harzrand. Seesen ist für den Kabarettisten aus dem Süden offensichtlich ein sehr angenehmer Ort und erste Station seiner Nordtournee. Django Asül, blau-weißer Kabarettist mit Migrationshintergrund, lobt die Aula als hübsches „Barocktheater“ und als „Vorbild für die Hamburger Elbphilharmonie“.

Django steigt thematisch in der Harzregion ein, verweist auf Steinway („Für Freunde der Blasmusik!“), übermittelt Grüße von Horst Seehofer und fragt: „Kommt die Merkel noch?“
Das Verhältnis von Hahausen zu Seesen, so stellt sich in der späteren Übertragung auf die Makroebenen der Politik heraus, ist vergleichbar dem freistaatlichen Verhältnis der Bayern zu Europa.
Das Programm heißt „Paradigma“, weil ein Kabarettprogramm einen Titel haben muss. Das heißt hier „Sicht auf die Dinge“. Die Asülschen Perspektiven sind dann einen Abend lang abstruse Alltagslogiken aus treffenden Kurzschlüssen. Es sind „überzeugende“ Stammtischfaseleien, egal ob mit oder ohne Promille im Blut. Es sind Argumentkaskaden im Dominosystem, aber neu und irrwitzig zusammen gesetzt. In der Folge zerschmeißt Django Asül temperamentvoll das fragile politische Geschirr jeder Couleur.

Django macht sich Gedanken über das Deutsch-Werden, über Identität und Integration, über seine Einbürgerung und die letztendlich zustimmende Unterschrift vom Verfassungsschutz. Und: „Mein Vater hat es nicht geschafft, aus mir ein ganz normales Kind mit Migrationshintergrund zu machen!“ „Als Türke konnte ich ja sagen, was ich wollte, als Deutscher nicht mehr“. Da belastet ihn zentnerschwer plötzlich beim morgendlichen Aufstehen die „historische Verantwortung“.

Schauspielerisch überzeugend ist seine bierig besoffene Stammtisch-Argumentations-Orgie. Es ist ein lustvolles Ausspielen von Spießertum, das manchmal an Helmut Qualtinger heran reicht. „Der Chef von die Türken kommt einmal im Jahr nach Deutschland ins Fußballstadion; da sitzen dann 50 000 Kopftücher rum…“ Der EU-(Nicht-) Beitritt wird Thema: „Aber die sind doch schon in der NATO, das reicht! – Nato ist so was wie EU, nur mit echte Patronen!“

Django Asül sieht die für ihn neue Rolle als „Mitteleuropäer“ auch in Bezug auf die Frauen. „Das gibt Irritationen beim Mann und das Testosteron macht ein Sabbath-Jahr.“ Er beklagt die Dominanz der Frauen in den Krippen, Kindergärten und Grundschulen. Warum nicht männliche Erzieher? „Aber der Missbrauchsverdacht beim Erzieher – seit ein paar Jahren! – ist immer wieder da, wenn er auch beweisen kann, dass er nicht katholische Theologie studiert hat!“.

Django nimmt sich selbst nicht ernst, ob als Türke oder als Deutscher. Damit bleibt – trotz der Stammtischdirektheit – notwendige Distanz zu dieser Art von Politik.
Der Abend beim Seesener Kulturforum hat Spaß gemacht, das Publikum ist begeistert und dankt mit viel Applaus. Die Tournee zieht den Bayern Django Asül in den nächsten Tagen noch weiter nach Norden. Aber irgendwann in Zukunft will er wieder nach Seesen zum Kulturforum kommen.

Joachim Frassl

Antonio Mateo

Antonio Mateo

Antonio Mateo

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Antonio Mateo

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Nachricht vom 23.9.13 11:14

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