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Georg Schramm beim Seesener Kulturforum - Abschiedstournee des Kabarettisten

Georg Schramm, Großmeister des deutschen Kabaretts, war auf seiner Abschiedstournee auch beim Seesener Kulturforum zu Gast. Ist es insgesamt mehr als nur eine Abschiedstournee? Auch der Abgesang eines sich aus der Öffentlichkeit zurückziehenden Kabarettisten?

An seinem Kleiderständer auf der Bühne hängen die Versatzstücke von Oberstleutnant Sanftleben, Lothar Dombrowski und Schrebergärtner und Alt-SPDler August. Der Gärtner kommt mit einem Luftgewehr auf die Bühne. Er sinniert über Tode, über gebrochene Versprechen der Politiker und über die Angst vor dem Altenheim. Seine Wut und seine Attentatsphantasien ertrinken in Resignation. „In Russland kostet ein Killer 1000 €; Prominente sind teurer!“ Er selbst hat Ackermann vor Augen („E Monatsgehalt wär mer´s wert!“). Oder per Kredit von der Deutschen Bannk? Aber keine Angst: Der Gärtner schießt nur auf Elstern und Spatzen.

Lothar Dombrowski, der einarmige Rentner eröffnet die Monatstagung der Selbsthilfegruppe „Altern heißt nicht trauern“. Er ist Dauervorsitzender und hat, sprachgeschliffen, die führenden Argumente. Notfalls unterbricht er durch die Tischglocke. Die sprachliche Vernebelung der Politiker um den Abzug aus Afghanistan als „Dislozierung“ regt ihn auf.

Als Gastreferent kommt Oberstleutnant Sanftleben mit dem Thema „Blutvergießen wozu?“ zu Wort. Dieser verschleift seine Worte und glättet die Argumente um „Fremdblut“ gegen „Eigenblut“, um notwendige Kollateralschäden und für den Sinn des Blutvergießens. Das ist bitterböses Kabarett und Georg Schramm meint es bitterernst („Militante Humanität als tätige Reue“). „Wenn die deutschen Soldaten noch länger in Afghanistan bleiben, spart man sich die Diskussion, ob man gescheitert ist“.

Vorsitzender Dombrowski dankt für das etwas holzschnittartige Referat. Selbstmordarten und Schockfrostalternativen für lebensmüde Rentner in Altenheimen sind beißende und rabenschwarze Perspektiven. Zur „Bedeutung des Zorns“ („in den Medien diffamiert als Wut!“) führt Dombrowski-Schramm zu Thomas von Aquin, der darin Gestaltungskraft sieht, „gegen die Kernkraft des Bösen“. Habgier und Machtgier, Worthülsen bei Merkel wie auch Berlusconi, die Ratingagenturen und die Leihmütter der merkelschen Macht in Person von Liz Mohn und Friede Springer, Aderlass und Guillotinen für zu tief gesetzten haircut und mehr sind scharfe Splitter in Schramms Bombenteppich des Zorns.

Nach der nüchternen Blut-Analyse Sanftlebens erlebt das Publikum nach der Pause den jetzt angeschwiemelten Oberstleutnant in seinen Auslassungen über das Testosteron als Kampfmittel, begründet schon im Überlebenskampf der Steinzeit-Männer.

Manchmal hat man auch das Gefühl, der Kabarettist auf Abschiedstournee ist selbst einer der Zornbürger, aber auch Beteiligter in den Argumenten des „Wann selbst bestimmt ein Ende setzen?“ Aber Schramm kann man sich nicht als Schrebergärtner mit Luftgewehr vorstellen, aber auch nicht als Demenz-Erfasster im Altenheim.
Die knapp dreistündige Kabarettsitzung beim Seesener Kulturforum lässt Schramm mit der Vorstellung einer gemeinsamen Rentner-Attacke im Supermarkt an den verstopften Kassen enden. Klammheimliche Freude kommt auf. Fritz Teufel, Altkommunarde, und seinen Puddingbomben werden kurz thematisiert. Den Schluss-Knall setzt der Kabarettist durch einen auf der Bühne gezündeten Feuerwerkskörper. Das begeisterte Publikum feiert Schramm, dankt mit stehenden Ovationen und hat das Gefühl, eine Ära gehe zu Ende.

Joachim Frassl

Antonio Mateo

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Nachricht vom 26.9.13 16:57

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