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Die Well-Geschwister beim Seesener Kulturforum

Noch opulenter geht´s nicht: Die Bühne erscheint wie ein zu voll gestelltes Museum aus bayerischen und überbayerischen Musikinstrumenten. Von den insgesamt 15 Geschwistern Well sind sechs nach Seesen gekommen: Die „Wellküren“ mit Moni, Bärbel und Burgi und die beiden Übriggebliebenen der in Seesen fast schon legendären „Biermösl-Blosn“, Michael und Christoph, ergänzt durch den Karl. Auch nach der Auflösung der „Biermösl“ heißt das neue Familien-Programm „Fein sein, beieinander bleiben“.

Stubenmusikalisch stellen sich die beiden Gruppen vor: Von rechts „Mia samma drei Briada“ und „Mia samma drei Schwestern“ von links. Ironisch selbstbewusst und individuell erscheinen die Argumente der Geschwister, musikalisch bayerisch-international, respektlos im Umgang mit den Größen der Musikgeschichte in hochzeitsmarschgemäßer Verbundenheit von Wagner und Mendelssohn („und auch Spohr!“). Um familiäre Katastrophen wird heftig gestritten, aber „z´sammg´raft“ wird sich immer. Musikalisch ist alles harmonisch.

Immer wieder ist der Stofferl der brillierende Solist, egal ob an der Trompete oder am Dudelsack, an Geige, Flöte oder Alphorn. Es gibt wohl kein Instrument, das er nicht spielt. Dudelsakrisch landen die schottischen Highland-Phantasien der Wells im „Mir san die lustigen Holzhackerbuam“. Die agile Moni ist die Tonangeberin der Wellküren, ob am Hackbrett (bis dass es raucht!) oder an den Saxophonen, und von Agilität zeugen auch ihre Wutausbrüche (Die Geschichte mit dem Schürhaken in mindestens vier Aufgüssen und vier Varianten).

Die Wells sind beteiligt an der Anti-BDM-Demonstration (Die Mili und die Militanten) gegen den „Bund deutscher Milcherzeuger“: „Du do dada dia dada“ wird zu einem protestigen Rap, der im Schuhplattler endet. Michaels Zehenschmerzen führen nach einer Kettenreaktion pharmakologischer Nebenwirkungen bis hin zum Zeitpunkt, „dass der Pfarrer kommt“. Ein Lied für Audioguides wird zum Schlagwortkatalog für bayerische Geschichte und beendet den ersten Teil der „Proben-Session“. Die Proben gehen zwischenzeitlich im Aula-Foyer weiter („Alles, außer Warsteiner“).

Bissige G´stanzln geben der CSU und den Kirchenvertretern – auch aus Limburg – ihr Fett, trotzdem dominiert in der neuen Formation die Musik. Bayerische Volksmusik – fern von Hansi Hinterseer – verschafft sich wieder Gehör und wird bodenständig politisch. Aus allem wird Musik gemacht – oder protestiert. Plötzlich klingt es ungarisch, dann jazzig in Super-Dixieland-Besetzung. Alles sind „Zuchtproben der Volksmusik“. „Stubenmusik hilft in jeder Lebenslage! In der Pubertät, zur Empfängnisverhütung“. Mozarts Menuett aus Don Giovanni streitet heftig mit Monis Hackbrett-Ausbrüchen. Dann ist a capella wieder sechsstimmige Ruhe beim „Andachtsjodler“, Alphörner greifen ein – nicht nur in den Zuschauerraum! Das klingt wie „Wochenend und Sonnenschein“ und Beethovens 9. Symphonie und endet im Klang eines almigen Glöckerls.

Drei Nonnentrompeten bei den Wellküren kreieren Carmens Habanera neu, während die Buam ihre Brummtöpfe bespielen. Und als ein Highlight des Abends beim Seesener Kulturforum ist unbedingt Ravels „Bolero“-Performance zu nennen, zum Höhepunkt getrieben durch Harfe, Querflöte, Klarinette, Trompete, Alto Sax, Schuhplattler und Alphörner.

Das Publikum feiert begeistert die Well-Musiker und man darf sich freuen: Sie haben versprochen, wieder nach Seesen zu kommen.

Joachim Frassl

Antonio Mateo

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Nachricht vom 23.10.13 16:03

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