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Eine „Lachnacht“ beim Seesener Kulturforum

Ein kurzweiliger Kabarett-Abend war versprochen worden, kurzweilig nicht deshalb, weil die Künstler jeweils nur relativ kurz auf der Bühne beim Seesener Kulturforum weilten. Vielfalt war zu erwarten, weil sich fünf künstlerische Charaktere recht unterschiedlich sprachlich und spielerisch präsentierten.

Ole Lehmann, aufgewachsen in Hamburg, jetzt Berliner, ist der Moderator des Abends. Über die „komische Stadt“ Berlin gelangt er zum Flughafen, zur Elbphilharmonie, zu Renate Kynast und schließlich zu seinem Kabarett-Kollegen Frederic Hormuth. „Mensch ärger dich“ ist dessen Thema, in sprachliche Rage kommt er selbst allerdings kaum. Mit einem „Grobhandtaster“ (Buzzer), zeigt er an, wann des Volkes Seele überkochen müsste. Gottschalk, Ukraine, von der Leyen, Homoehe und der Blutdruck sind seine Themen. Seine Performance ist wenig in der Lage, das Warm Up für den kabarettistischen Lachabend zu geben. Heftiger, aggressiver und lauter wird danach Lutz von Rosenberg Lipinsky. Seesen als „Partymetropole“ ist da weniger glaubhaft als das Großstadtflair um „Mc Geiz“ und das „eingeschweißte“ Supermarkt-Fleisch-Angebot („Pferde-Lasagne, rumänisches!“). Christian Wulff, die Pastorentochter Merkel, Pastor Gauck und der Ex-Papst Benedikt werden thematisch angerissen. Das Migranten-Thema reißt Lipinsky am Beispiel der Fußball-Nationalmannschaft an. Seine Wort-Waffen sind dabei keineswegs – nennen wir es so – sportlich fair: Die „Zangengeburt Özil“ ist da eher ein verletzendes, rotwürdiges Foul.

Nach der Pause präsentiert Ole Lehmann die Highlights: Daniel Helfrich spielt nicht nur gut auf dem Klavier sondern auch bravourös mit Worten. Sein „trauriges“ Kerzenlied über den Tod des Kerzenvaters Timo durch Burn-Out-Syndrom und über die verbleibende Witwenkerze Hilde („Sie schmolz dahin in seinem Bann“) ist erfrischend intelligent und gut betastet am Steinway-Flügel. Begeisternd ist auch Daniels Ohrwurm-Lied, das im Dominoverfahren 99 Luftballons, Hey Jude, Anton aus Tirol mit allen meinen Entchen reiht. Helfrichs „Liebeslied“ vorm Spiegel ist auch unbedingt noch erwähnenswert!
HG Butzko schließlich, der frisch gekürte Deutsche Kleinkunst-Preisträger 2014, ist überall aktuell. Er zeigt die „Komplexe“ der Politikerkaste in den Gebäudekomplexen im Berliner Regierungsviertel, brandmarkt die „Doppelmoral unserer Elite“ am Beispiel des Kanzlerinnen-Respekts vor dem Steuersünder Hoeness. Er warnt vor dem zu erwartenden Buch „Mein Kampf mit der Steuer“ - ein anderer „Kampf“ sei schon mal in Landsberg geschrieben worden. Butzko verweist beim BND in Pullach auf das bayrische „o´zapft is!“ Kiew und Steinmeier werden differenziert in Frage gestellt, Gauck und sein Verständnis von „neoliberal“ genau so.
HG Butzko beschließt den Kabarettabend beim Seesener Kulturforum mit der Feststellung: „Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Jeder glaubt, genug davon zu besitzen.“

Joachim Frassl

Antonio Mateo

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Nachricht vom 25.3.14 12:20

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