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Warum Lehrer kein AIDS kriegen

Horst Schroth begeisterte als Lehrer Laux das Seesener Publikum. Der Kabarettist aus Ahrensburg erweckte nach 20 Jahren seinen Oberstudienrat Laux wieder zum Leben. Horst Schroths "Doppelstunde" kommt gut an.

Am Sonntagabend verwandelte sich die Seesener Aula am Schulzentrum in ein großes Klassenzimmer, denn Horst Schroth war als Karikatur eines Lehrers zu Gast beim Seesener Kulturforum. Aus dem Zuschauerraum heraus betritt Horst Schroth als Lehrer Olaf Laux mit Handy am Ohr die Bühne. Er hält eine Papiertasche in der Hand, eine braune Ledertasche über der Schulter und unter der Jacke trägt er eine braune Weste, ein kariertes Hemd und eine knallig rote Cordhose. Im Telefonat mit der Schulleiterin geht es um einen „riesen Skandal“, schnell lässt er das Publikum teilhaben am Problem aus der Schulkantine. Es geht um Tüten mit Gummibärchen, die „irgendein“ Vater in der Kantine ausgelegt hat. Es geht um Gelatine vom Schwein, Muslime und Beschwerden. Doch plötzlich stock er: „Ich wollte eigentlich der Erste hier sein, jetzt sind Sie vor mir hier. Mir ist das peinlich – Jetzt stehe ich hier wie doof! Voll der Sozialstress, alle sitzen da und erwarten etwas von mir“. Der Ordnung halber stellt sich Oberstudienrat Olaf Laux dennoch vor, bevor er mit seinem „Infoabend“ anfängt. Lehrer Laux steht kurz vor der Pensionierung, er ist konservativer geworden, sagt er. Es gibt Dinge, die er vor 20 Jahren noch toleriert hat, aber dieses „Geduzt“ werden wie bei früheren Infoabenden mag er nicht mehr. Auch möchte er nicht wie auf den Wahlkampfplakaten der Grünen mit "Und Du?" angesprochen werden. "Erst recht nicht von so mentalen Energiesparlampen wie Herrn Özdemir!", wettert der Oberstudienrat von der Bühne. Schon hier hat er das Publikum auf seiner Seite. Er hat zum Infoabend geladen, weil er das Gefühl hatte, dass etwas schief läuft. In wenigen Monaten hat er die Pensionsgrenze erreicht, aber von Teilzeitmodellen halte er nichts und werde „bis zum letzten Klingelton“ durchziehen. Dass die erste Reihe im Kabarett auch mal die schlechtere Wahl sein kann, erfuhr das „echte“ Lehrerpaar Voss am eigenen Leibe. Er, Lutz Voss in Altersteilzeit mit Ehefrau zu Gast beim Seesener Kulturforum. Schnell wird allen klar, die „beiden“ werden das Programm an diesem Abend begleiten. Immer wieder werden die Eheleute Voss angesprochen und einbezogen – ganz zur Freude des Publikums. Doch auch die Eheleute Voss nehmen es mit Humor.

Laux erzählt von seiner Ehefrau Marianne (Erdkunde und Biologie) und dem Zusammenleben mit ihr. Auch sein Freund Winnie (Sport und Kunst) hat sich mit 51 Jahren Burn-out diagnostizieren lassen und „war dann so ausgebrannt, dass er auf Teneriffa eine Surfschule eröffnet hat“. Je mehr er erzählt, desto schneller wird er. Er spricht mit Händen und Füßen und ist sogar außer Atem. Er redet sich immer mehr in Rage und die Schulreformen und „Helikopter-Eltern“ machen in Wahnsinnig. Das Schlimmste, so Laux, seien die "Helikopter-Eltern", die wie Hubschrauber über ihren Kindern schweben und diese permanent überwachen und bevormunden. Ganz schlimm, die "Transport-Hubschrauber-Eltern", das sind jene, die den Schülern den Ranzen, die Pausenbrote, die Schwimmsachen und vieles mehr hinterher fliegen. "Erst werden sie morgens mit dem Porsche Cayenne zur Schule gefahren und nachmittags dann zum Reiten. Die Zuschauer sind begeistert von den wilden Erzählungen und lachen vielleicht auch etwas über sich selbst, denn mit Schule haben wir alle unsere Erfahrungen in mindestens 10 Jahren Schulzeit gesammelt. Viele im Saal auch als Eltern und vielleicht sogar als „Helikopter-Elternteil“ oder "Transport-Hubschrauber“. Hier und da prasselnden kleine Lehrerwitze von der Bühne: „Wissen Sie warum Lehrer kein AIDS kriegen?“ Ganz einfach: „Weil Lehrer keine Freunde haben!“. Natürlich erfahren wir auch neues von der PISA-Studie und den „Ritzenpfifis“, so nennt Laux die String-Tangas. Seine Erzählungen waren intensiv und seine Wortwahl von fein bis vulgär. Schon die Idee seinem W-LAN den Netzwerk-Namen „Wir können euch ficken hören“ zu verpassen um die Nachbarn auf die dünnen Reihenhaus-Wände aufmerksam zu machen, erntete tosenden Beifall. Ach, „Kennen Sie den Unterschied zwischen Lehrern und Terrorristen? Nein? Terrorristen sind von Sympathisanten umgeben!“.

Beim Erzählen seiner Geschichten läuft Horst Schroth zur Höchstform auf und steigt ganz nebenbei auf seinen Stuhl. Er erzählte so lebendig, dass das Publikum ihn schnell in sein Herz schloss. Selbst an die „Pausenaufsicht“ hatte Lehrer Laux gedacht. Frau Gärtitz und Frau Koch, natürlich aus der ersten Reihe, übernahmen diesen Job gern. Horst Schroth verstand es auf humorvolle Art alle Fragen des alltäglichen „Lehrerlebens“ zu klären und schenkte dem Kabarett verwöhnten Publikum einen kurzweiligen Abend. Horst Schroth begeisterte in der Rolle des Lehrers Olaf Laux und überzeugte das Publikum mit seinem Programm vollends.

Von Antonio Mateo, Seesen

Antonio Mateo

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Nachricht vom 17.11.14 23:22

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