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Heinrich Pachl - Kabarett beim Seesener Kulturforum

Vertrauensstörende Maßnahmen waren beim Seesener Kulturforum angesagt. Heinrich Pachl, der Kabarettist aus Köln, hatte vorübergehendes Asyl in Seesen gesucht. Es war offensichtlich eine Flucht von den Lokalpolitikern in Köln, Lokal, weil sie nicht nur kölsch reden, sondern auch Kölsch trinken.

Es beginnt fast wie im Karneval: Pachl beschreibt den typisch kölschen Klüngel: Die höchste Form der Selbstverarschung. Aber er bleibt nicht regional. Die große Politik bekommt ihr Fett weg. Der Fettweg ist nicht leicht. Pachl verspricht, sich mit Merkel-Witzen zurückzuhalten, die sind sehr schnell frauenfeindlich! - aber er landet immer wieder bei ihr, so hat er das Foto vom U-Boot-Besuch vor Augen: Anders als bei der Waschmaschine ist das ein Top-Lader und macht deshalb beim Einstieg Schwierigkeiten; für die Merkel-Frisur wäre ein Zerstoiber angebracht; das Wahlplakat Was Neues riskieren habe ausgesehen wie ein Plakat einer Seitensprung-Agentur.

Heinrich Pachls politisches Weltbild entwickelt sich scheinbar mathematisch-regelhaft in unumstößlicher sophistischer Logik, sprudelnd, temperamentvoll. Er zeigt, wie man die großen Wunschträume der Menschheit auf kleine Schritte reduziert, wie man aus Müll Moos machen kann. Der Groschen des Verstehens fällt erst, wenn Pachl längst schon drei Sätze lang weiter-argumentiert hat. Logisch, dass Moos Geld bedeutet.

Immer wieder unterscheidet er zwischen den echten Temperaturen und den gefühlten, zwischen der echten und der gefühlten Frau Merkel. Die Politiker-Bilder sind drastisch karikaturenhaft: Friedrich Merz als Ministrant bei Sabine Christiansen, Christian Wulff ein junger Rüde aus Osnabrück, Stoiber als Kettenhund, Johannes Rau, der Erfinder des sprachlichen Kunsthonigs, als Wanderprediger aus Wuppertal, Merkel als pommersche Kampfkartoffel, Horst Köhler als komparative Steigerung von Kohl. Dann weist Pachl auf die große Werbe-Kampagne des vergangenen Sommers hin: Du bist Deutschland! - Das hatten wir früher schon einmal zu Hitlers Zeiten!

Die permanente geistige Unterwanderung wird thematisiert. Pachls vertrauensstörende Maßnahmen gipfeln im wirtschaftlichen Vaterunser. Die Spezialdemokraten sind durch Münte präsent; Altkanzler Kohl ist in treffenden Parodien gefühlt echt auf der Bühne. Die gefühlte oder echte Bedrohung durch den Irak aus us-amerikanisch/texanischer und Rumsfeld-Perspektive wird faustisch-sophistisch umgedreht: Aus dem ich weiß, dass ich nichts weiß wird wir wissen, was man nicht weiß! Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen lässt den ganzen Haufen brennen. Nun gut: Heu brennt, die Nadel nicht! - Bei der historischen Rückschau, welche Politiker seinerzeit mit wem gefrühstückt haben und dann - trotzdem - den Friedennobelpreis erhalten haben, lässt Heinrich Pachls Blick auf George W. Bush richten.

Heinrich Pachls bescherte dem Publikum beim Seesener Kulturforum nicht nur einen äußerst vergnüglichen Abend, sondern auch sophistische Verdrehmomente, die manche Perspektiven ins Schleudern gebracht haben, vertrauensstörende Maßnahmen also, bestes Kabarett also. Gefühlt waren mehr Zuschauer im Saal als real. Wer Pachl nicht real erlebt hat, müsste das Gefühl haben, etwas versäumt zu haben.

Bericht: Joachim Frassl

Hier bereits die ersten Bilder des Abends!
(Alle Bilder gibt es hier: ===> Heinrich Pachl <=== )

Heinrich Pachl - Kabarett beim Seesener Kulturforum

Heinrich Pachl - Kabarett beim Seesener Kulturforum

Heinrich Pachl - Kabarett beim Seesener Kulturforum

Heinrich Pachl - Kabarett beim Seesener Kulturforum

Heinrich Pachl - Kabarett beim Seesener Kulturforum

Heinrich Pachl - Kabarett beim Seesener Kulturforum

Heinrich Pachl - Kabarett beim Seesener Kulturforum

Heinrich Pachl - Kabarett beim Seesener Kulturforum

Heinrich Pachl - Kabarett beim Seesener Kulturforum

Heinrich Pachl - Kabarett beim Seesener Kulturforum

(Alle Bilder gibt es hier: ===> Heinrich Pachl <=== )

Fotos: Antonio Mateo

Nachricht vom 10.3.07 18:19

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