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HG Butzko – Kabarett beim Seesener Kulturforum

2014 hatte die Jury zum Deutschen Kleinkunstpreis einen „politischen Kabarettisten mit anspruchsvoller Komik, analytischer Schärfe“ ausgezeichnet, der „selbst höchst komplexe Zusammenhänge“ darstelle. Man durfte in Seesen beim Kulturforum also sehr gespannt sein auf HG Butzko und sein Kabarett-Programm „Super Vision“.

„Warum geht man eigentlich heute noch ins politische Kabarett“ so Butzkos Frage zu Beginn, wo doch die Politiker selbst die größten Kabarettisten seien. Als Beispiel nennt er Marine Le Pens Forderung der französischen Front National nach der Todesstrafe für Selbstmordattentäter. Daneben bekommt auch Innenminister „Thomas de Misere“ sein Fett weg. Es geht um dieVerletzung religiöser Gefühle, dann um die Fundamentalisten. HG Butzko stellt fest: „Je größer der Dachschaden, umso schöner die Aussicht auf den Himmel.“

Butzko mit Kappe und schlichtem T-Shirt gibt sich als Stammtisch- und Thekenplauderer. Er sinniert, er seziert und er doziert. Die Resultate der Belehrungen sind in der Regel unerwartet, aber logisch: Vernichtend bissig ist die Pegida sein Thema. Diesen „Patrioten zur Rettung...“ stellt er die „Patriot“-Abwehrraketen gegenüber: „Die Raketen haben wenigstens einen intelligenten Kopf.“ Der Begriff „Integration“ wird relativiert, wenn Butzko nach den Chancen eines Ostfriesen in Oberbayern fragt. „Wirtschaftsflüchtlinge“ sei das Unwort des Jahres, wer aber denke dabei an die Produktionsverlagerungen der Profit-Industrie ins Ausland. „Exportweltmeister“ bekommt eine andere Färbung. Und die aktuellen Flüchtlinge, betont Butzko sehr konsequent, zeigen uns unsere Fehler auf.

HG Butzko findet die Fehler der Politiker nicht bei einer einzelnen Parteienkonstellation, sondern macht sie an Namen fest: Merkel (und der Bismarckhering), Andrea Nahles (und ihre Schmalzstullen) S. Gabriel (der Harzer Roller). Da könnte man lachen, aber „da ist eigentlich nichts zum Lachen“ hört man im Zuschauerraum. Liegt das an den Themen, der dozierenden Lehrhaftigkeit oder an der Distanz zwischen Bühne und Auditorium?

Die kabarettistischen Erkenntnisse sind verblüffend logisch und einfach nachvollziehbar, wenn man den Perspektivenwechsel einbringt. Manches wird märchenhaft im Kindererklärton vorgebracht, das ist ein wenig wie die Sendung mit der Maus, wenn die Griechenland-Problematik anhand der Zaziki-Produktion erklärt wird. Die verschiedenen Berufsgruppen bekommen ihr Fett weg, das sind die Beamten, die Lehrer, die Ärzte, die Polizei u.a. Nach der Pause flacht das Programm etwas ab, wobei z. B. Kapitalismus-Kritik zwar illustrativ, aber auch vordergründig bleibt. Das in Aussicht stehende „Freihandelsabkommen“ wird wieder im Stile der Maus für Kinder erklärt.

Am Ende bleibt HG Butzkos Aussage „Mein Kabarett kann die Welt ändern“ These. Er fordert auf, wählen zu gehen, und zwar die Richtigen und auch die Anderen. Aber wer bleibt da übrig? Resignativ klingt dann das Tucholsky-Zitat „Wahlen ändern nichts, sonst wären sie verboten“ und eröffnet die Zugabe beim Seesener Kulturforum.

Dr. Joachim Frassl

Fotos: Mateo

Antonio Mateo

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Antonio Mateo

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Antonio Mateo

Nachricht vom 12.12.15 18:59

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