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Schmidbauer & Kälberer beim Seesener Kulturforum

Das neue Jahr begann beim Seesener Kulturforum mit bayerischen Tönen. Werner Schmidbauer, Liedermacher aus Bad Aibling – oder sagen wir München? – hat sich zusammen mit Martin Kälberer, Multiinstrumentalist, Rhythmus- und Harmoniegeber des musikalischen Duos, in den hohen Norden gewagt. „Wo bleibt die Musik?“ hieß das Programm des Abends und ist Titel der aktuellen CD. Vorab im Foyer wärmte Gymnasiast Carlo Zechmann als Jung-Musiker am Oldie-Piano das Publikum jazzig-bluesig auf, ehe die großen Lieder in der Aula zu Wort kamen.

Die Idee zur neuen Musikscheibe ist dem Liedermacher bei einem Besuch in Istanbul gekommen, im atmosphärischen Umfeld der Märkte und Basare: Überall Musik. Es sei ein herrliches „Weltmusik-Konglomerat“, dagegen wirkten „die deutschen Fußgängerzonen wie eine Leichenhalle“. Der „Schmidl“ singt von „Istanbul“, macht aber auch in seiner Conférence das aktuelle Terror-Geschehen zum Thema: Trotz alledem dürfe die Musik nicht aus dem Programm genommen werden. Die Atmo-Einspielung Kälberers bringt Autogeräusche und Stimmen vom Basar. Inspirationen für die eigenen Lieder. Und dann wird Instanbul in bayerischem Dialekt besungen, das ist für norddeutsche Ohren eine Mischung von „fremden Klängen“ ganz eigener Art im Chanson.

Schließlich heißt es dann, egal wo man sich befindet („I hock drunt an mein Fluss“): „Ois is guad“. „Dahoam“ sein ist an vielen Orten möglich. Es sind Liebeslieder, die Schmidbauer vorträgt: „Mit oam Schlag“. Er ist „Momentnsammler“. „Bei dir“ bringt liebevolle Erinnerungen an die 16-jährige Tochter („Ich hab drei Stück Kinder!“) beim Betrachten der Taufkerze.

In seinen Zwischen-Conférencen erfährt das Publikum auch etwas vom “Finden“ der Lied-Themen und der Harmonien, so auch manches über das kreative Zusammenfinden der beiden Künstler: Martin Kälberer präsentiert ein eigenartiges Instrument, die verklebten Halbkugelsegmente sehen aus wie ein UFO im Science Fiction Bereich: Metall, flach gewölbt der Bauch und der Deckel. Die ersten Töne klingen, wie erwartet, nach Steeldrums; aber es ist ein Schweizer Instrument, vor 15 Jahren in Bern erfunden: Es heißt Hang (im Plural dann Hanghang), die Musiker nennen ihr Vortragsstück logisch-ironisch „Südhang“. Eine neue Klangwelt wird erzaubert.

Am Ende fragt man nicht mehr: „Wo bleibt die Musik?“ Beim Seesener Kulturforum jedenfalls war sie zwei Stunden lang da: Regionale Weltmusik mit einer Vielzahl an Instrumenten, äußerst farbig, verschiedenartig, einfallsreich präsentiert , aus U2´s „One“ in der Version von Johnny Cash wird bayerisch „Oans“, herrliche Musik vom Strand in Mombasa (Mandoline und Gitarre), „Aufgeb´n werd i erst am Schluss“, begleitet durch pentatonische Klänge am Keyboard. Endlich wird der bayerische Dialekt gar mit Suaheli gemischt für eine emphatische Würdigung Nelson Mandelas, laut und kräftig durch den Zuschauerchor verstärkt.
Das Publikum beim Seesener Kulturforum ist begeistert, nicht nur die große Fangemeinde im Saal. Es gibt auch neue Fans! Und noch eins: Die norddeutschen Ohren in Seesen verstehen die bayerische Sprache besser als die Künstler auf der Bühne denken!

Dr. Joachim Frassl

Antonio Mateo

Antonio Mateo

Antonio Mateo

Thorsten Scheerer

Nachricht vom 18.1.16 20:33

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