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Halleluja! Liedermacher Simon & Jan beim Seesener Kulturforum

Halleluja! Da sind neue Gesichter auf der Bühne des Seesener Kulturforums. Simon und Jan, Liedermacher aus Oldenburg. Hochgelobt und preisbeladen stellen sie sich zur Saisoneröffnung dem anspruchsvollen Publikum in Seesen. Genauer gesagt: Sie sitzen. Neue Künstler auf die Seesener Bühne zu bringen ist zu begrüßen; die beiden Liedermacher konzertieren vor einem „ausgesuchten“ Publikum mit einigen Kennern des Duos, aber daneben vielen Interessierten für die versprochene neue Generation 2.0 der Liedermacher, gespannt auf ihren „engelsgleichen Harmoniegesang“ und ein Gitarrenspiel, „wie junge Götter“ es pflegen. Halleluja!
Das Anfreunden des Publikums während der ersten 45-minütigen Session geschieht zaghaft, weil nicht jeder Liedtext klar verstanden wird. Die Lieder bekritteln Alltägliches: „Es ist alles nur gelogen ...“, das Fluorid in der Zahnpasta, die Lügen am Anfang schon bei Adam und Eva und schließlich beim „Niemand hat vor, eine Mauer zu bauen!“ „Es ist alles nur gelogen“ und das wird ganz leise gesungen. Dann geht es um Kunst, aber „Andy war hohl!“, um die Beuys-Butter am Badewannenrand, um Helene Fischer: „Das kann weg!“ „Das Leben ist ein Ponyhof“ begleitet Jan mit einem kleinen Glockenspiel aus Kindertagen. Die in der Conference von Jan beschworene „Stimmung kurz vor dem Siedepunkt“ für das Berlusconi- und BungaBunga-Lied bleibt noch verhalten. Das liegt aber auch am bis dahin gleich lauten Vortrag, am zwar sehr sauberen, aber eher eindimensionalen Gitarrespiel. Der harmonische Zweigesang beeindruckt.

Da sitzen zwei Musiker, eher in sich versunken über ihren Gitarren … Eine Bühnenperformance ist das nicht. Da ist das Lied über „meine Mama die kocht LSD“ eine Steigerung, „Komm, wir spielen Salafisten!“ Manchmal werden die Texte kurz gespot(t)et tiefgründig, eher formal, wenn sie unter die Gürtellinie absacken, nicht nur, wenn „Waldi wie Vivaldi die Vierjahreszeiten furzt.“

Im zweiten Teil erblühen die Gitarren neben dem Gesang, vielfältig, raffiniert und durch Computer-Backgrounds harmonisch erweitert. „Das Abendland ist längst noch nicht verloren ...“ an Rollatoren vorbei ins Altenheim und fordert zum Schunkeln der Herzschrittmacher im Dreivierteltakt. Das ist ein bitterböses Lied mit „Herzilein“ und Heino im roten Gummiboot.

Es wird lauter: „Ein Götze ans Kreuz genagelt“ und „Esspapier, das nach Jesus schmeckt“. Dieser Titel „Ach, Mensch“ beeindruckt musikalisch.

Ein Highlight bringen Simon und Jan – fast schon am Ende des Konzertabends – wenn sie Leonard Cohens „Hallelujah“ mit viel Sentiment performen. Der Song bringt die stimmliche Qualität des Duos vollends zur Geltung, Stimmen, die zum Schluss dann in Kontrast zum einfallenden Publikum stehen.
Noch ein Highlight im Rahmen der Zugaben beim Seesener Kulturforum: Mozarts „Alla turca“ wird von Simon brilliant auf die Gitarrensaiten übertragen. Wolfgangerl hätte daran seine Freude gehabt.

Joachim Frassl

Antonio Mateo

Antonio Mateo

Antonio Mateo

Antonio Mateo

Nachricht vom 29.9.17 17:51

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