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Badesalz „Dugi Otok“

Badesalz beim Seesener Kulturforum: Was ist „Badesalz“? Ein durchgeknalltes Element von Naturkosmetik aus hessischem Urgestein? Zwei Steine sind es auf jeden Fall: Gerd Knebel (als Hebbe) und Henni Nachtsheim (als Gemal). „Badesalz“ ist Doppel-Conference-Comedy-Theater mit intelligentem Witz und Tempo. Hier hat gute Comedy ihre Wurzeln in Stegreifszenen - wie es scheint - in Manier einer comedia dell´arte oder clownesker Komik: Die Realität erhält vom Traum die Perspektive - Das Trittleiterchen aus der Anfangsszene suggeriert die große Showtreppe.

Auf der Bühne der Seesener Aula ist ein Musikinstrumentenladen entstanden: „Betzels Guittar Shop“ prangt auf einem Schild über allem, billigst erstanden, weil falsch geschrieben. Henni betritt den Laden, installiert eine Kamera, Applaus. „Das gilt noch nicht. Ihr könnt noch e bissche babbele!“ Dann soll ein Videospot für MTV gedreht werden. Gerd hat das Song Book von Cat Stevens im Müll landen lassen - wer war das? - ja wenn es das von Yusuf wäre! Aber die neue alte Eichen-Theke verspricht den gewünschten geschäftlichen Aufschwung für den Musikladen: Sie stammt aus New Orleans und ist quasi auf Hurrican Katrinas Wogen billig nach Europa gekommen. „An dieser Theke haben alle gestanden! Keith Richard! Tina Turner! B. B. King! Ray Charles!”

„Dugi Otok“ - die Insel vor der kroatischen Küste - ist Programm und Wunschrealität von „Badesalz“ und Perspektive für ein „Black Metal Festival“. Gemal hat immer wieder Pläne, die aber durch Hebbes Argumente in der Regel im Absurden enden. Die musikalischen Kostproben - Duett auf dem Vibraphon, Gitarrensoli, zwischen unplugged und heavy, Saxophonklänge, das Bariton mit „Obertönen“ für die gefährdeten Wale, scharfes Alt ... oder afrikanische Trommeln auf New Orleans-Thekenholz - zeigen technisches Können und gleichzeitig ironische Übersteigerung.

Verkauft wird im Instrumentenladen nichts. Umsatzsteigerungen könnten durch Kombinationsangebote erreicht werden. Gedankenspiele: Die Theke als Sonnenbank? Fischverkauf? Kindertelefon? Die niedlichen Hundefotos zeigen kleine Kampfhunde. Darf man sie deshalb vorverurteilen? Und das süße Dutroux-Baby-Bild aus Belgien, oder das vom kleinen Hitler, oder vom Saddam? - Schlechte Gedanken sind Geister, die durch eine vierstufige Therapie nach Methode der Yanomami-Indianer ausgetrieben werden sollen. Die angebotenen Rezepte sind logisch und unbrauchbar gleichermaßen. Trotzdem scheint am Ende des Badesalz-Programms der Traum vom Musik-Festival auf Dugi Otok Realität werden zu können. Wie gesagt: Können! Muss aber nicht. „Wenn die Fische und die Menschen endlich Brüder sind...“ Fische und Musik:Greenpeace und “Robin Fish”, „There is ein Fish in New Orleans ...“ und „Calalamares“.

Es war ein tempogeladen pausenloses Programm. Eine Pause hätte das Publikum beim Kulturforum vertragen können, wenn auch die Rasanz der Szenenfolge noch keine allzu große Gefahr des Dehydrierens im Saal zeitigte. Wie gesagt: Können! Muss aber nicht. Das begeisterte Publikum entlässt die zwei Hesse nicht ohne Zugaben. „Die letzte Reihe“, einbezogen in das Schlusslied, wird gefeiert und steigert sich zum Echo.

Bericht: Joachim Frassl

Hier eine kleine Bildauswahl:

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Badesalz mit Dugi Otok

Fotos: Antonio Mateo & Markus Brandt

(Alle Bilder gibt es hier: ===> Badesalz <=== )

Nachricht vom 6.10.07 21:07

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