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Bodo Wartke beim Seesener Kulturforum

Das Seesener Kulturforum hatte den Musikkabarettisten Bodo Wartke aus Berlin eingeladen. Es war für Seesen eine Premiere; die Wartke-Fangemeinde war weit aus der Region und über sie hinaus in der Harzstadt zusammengekommen; alle Generationen - ehrlich: vom Kleinkind aufwärts! - waren vertreten. Bodo Wartke kommt überall an, seine Kunst bewegt sich zappend zwischen Klassik, hier: Beethoven (Schicksalssymphonie, Anfangstakt) bis hin zu Boogie-Woogie, Rock ´n Roll und Rap, von zärtlicher Lyrik bis hin zum beißenden Wortspiel, von Kabarett bis Comedy, von Ordnung bis Chaos, vom Liebeslied bis hin zu mordlustigen Phantasien („Ja, Schatz!“).

Bodo Wartke begrüßt die Zuschauer: „Mein Publikum wird immer jünger!“ - Zur Bestätigung erklingt aus der Tiefe des Saales die Stimme eines Kleinkindes. Warum er „Klaviermusik und Gesang - gleichzeitig“ bringe? „Andernfalls würde das Programm doppelt so lange dauern.“ Wartke präsentiert sein Programm „Achillesverse“, er differenziert zwischen fünf Kategorien seiner „Liebeslieder“, je nach Stimm- und Stimmungslage zwischen Dur und Moll, um später diesen Dogmatismus zu durchbrechen. In „Unsterblich verliebt“ ist Bodo blutsaugender Vampir: „Du hast mir noch nie so gut geschmeckt!“ Step-Stolperer am Bühnenrand über breit getretenen Hundehaufen in Berliner Parkanlagen werden zu „rhythmischer Sportgymnastik“ („Hunde“).

Die wohl-durchdachten musikalischen Plaudereien wirken in bestem Sinne live und improvisiert, so ist von Beginn an ein sympathischer Kontakt zum Publikum da. Die chaotischen Schlusspointen in den Wartke-Liedern ist man gewohnt, ist dann die knisternd-krachende Lärmentwicklung in den Lautsprecherboxen Boxen „live“ oder quasi „playback“. Nein: live! (Such is life!) - Die Pannenbewältigung zusammen mit Tontechniker Oliver auf der Bühne wird zu einer herrlichen Stegreif-Comedy.

Bodos Lust am Wortspiel gipfelt in Aufklärung in Schüttelreimen: „Da muß er durch“, sei es bei des Storches „Schnabel nur“ verbunden mit der „Nabelschnur“ oder bei jener hohlen Gasse in Schillers Tell. Das „Love Parade“-Lied im Walzertakt lässt ans „Taubenvergiften“ von Altmeister Georg Kreisler denken. Ein Gospel-Song, „Believe in Steve“, ist Glaubensbekenntnis streng orthodoxer Mac-Ianer und Apple-Leptiker; die „Bürgschaft“ schillert in Zitaten. Wartkes Lesung aus seinem „Reisetagebuch“ ist ein tragikomischer Situationsbericht über den deutschen Schienenverkehr.

Ist Wartke in Kategorien zu bewerten? Er ist Literat, Liedermacher, Komponist, Pianist, Sänger, Schauspieler, Parodist, Wortspieler, er ist auf jeden Fall witzig, intelligent, einfühlsam und bissig, sympathisch nah, auch in seinen Abstrusitäten, und in der Verbindung von Text-Lied-Klavier-Gesang-Vortrag sprach-musikalisch genial: Der vom Klavier unterlegte Rhythmus fordert die textlichen Biegungen und Kurz-Schlüsse, die Texte inspirieren die Musik.

Die Zuschauer danken mit Standing Ovations. Ginge es nach dem begeisterten Publikum beim Seesener Kulturforum, Bodo Wartke hätte noch unendlich lange Zugaben geben oder einfach nur plaudern können, Zugaben, die kein Abgesang werden, sondern neue Höhepunkte setzen. Die anschließende Autogramm- und Foto-Session im Foyer der Aula dauert noch einmal eine ganze Stunde.

Joachim Frassl

Bodo Wartke beim Seesener Kulturforum

Bodo Wartke beim Seesener Kulturforum

Bodo Wartke beim Seesener Kulturforum

Bodo Wartke beim Seesener Kulturforum

Bodo Wartke beim Seesener Kulturforum

Bodo Wartke beim Seesener Kulturforum

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Bodo Wartke beim Seesener Kulturforum

Bodo Wartke beim Seesener Kulturforum

Bodo Wartke beim Seesener Kulturforum

Bodo Wartke beim Seesener Kulturforum

Fotos: Anna-Lena Antl & Antonio Mateo

Nachricht vom 12.9.08 11:07

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