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Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Ein Liedermacher der alten Garde war wieder einmal beim Seesener Kulturforum: Hannes Wader, Volkssänger. Die Fangemeinde im Zuschauerraum ist altersmäßig - wie man sagt - 68er -Generation, die genau weiß, was sie von ihrem Barden auf der Bühne zu erwarten hat. Nebenbei gesagt: Es gibt auch ein paar Jung-68er in Seesens Konzerthalle.
Heute hier, morgen dort bekommt gleich zu Beginn applaudierende Zustimmung. Wader singt die Lieder von früher, wie früher, aber die musikalischen Zwischenspiele des inzwischen 66-Jährigen sind kürzer geworden. Insgesamt verbraucht er vier Gitarren, unterschiedlich gestimmt, aber ohne dass sich der Charakter seiner Begleitmusik dadurch wesentlich verändert. Sein Lieder-Programm ergibt geordnet eine Chronologie des Volks-Lieds vom 18. Jahrhundert bis heute; es sind Lieder, wie sie im berühmten Steinitz als „Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten“ gesammelt erscheinen, um am Ende bei Freiligraths Trotz alledem zu landen.

Wader steht während seines Vortrags wie unverrückbar in ruhigen Bewegungen inmitten der Bühne, einfach, schlicht, ehrlich, direkt und selbstverständlich, eigentlich unverrückbar.

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Der Rückblick auf die Anfänge: Erste Liebe: Was hab ich bloß an ihr gefunden? - „Es ist schon viele Jahre her“. Von den teilweise ironischen Rückblicken gelangt er zu sich selbst als dem älter Werdenden: In Les feuilles mortes von Jacques Prévert stellt er sich neben Juliette Gréco oder Yves Montand. Dem Lied hat er jüngst einen deutschen Text gegeben: Die welken Blätter. Last Thing Of My Mind führt in die USA.
Hannes Wader wird im zweiten Teil des Programms zunehmend politischer, er klagt an: Zwangsrekrutierungen (König von Preußen), Stiefeltritte, blickt zurück zu den Zeiten der griechischen Militärchunta und ergänzt dabei Mikis Theodorakis´ Lied wieder einmal durch eigene Verse, um eine bessere Welt zu schaffen. Das Liederprogramm ist heute vielleicht romantischer als früher - („Fragen um mich und die Endlichkeit“): „What´s a life of a man?“ wird deutsch zu Schwestern Brüder, Solidarität und Erinnern: Das KZ-Lied der „Moorsoldaten“ oder das der Interbrigaden im Spanischen Bürgerkrieg: Die Herren Generäle. Fast am Schluss gibt Hannes Wader eine energische „Stellungnahme“ gegen alte und neue Nazis und Trotz alledem aktualisiert er gegen „ausrastendes Finanzkapital und Profitmaschinerie.
Das Wader-Konzert ist anscheinend auch für das (Alt-)68er-Publikum eine Form der Selbstvergewisserung in der Erinnerung an früher. Dazu passt dann am Ende auch Hannes Waders plattdeutsches Lied „Min Jehann“. Im Lied, das ist er selbst: „Ik wull wi wern noch kleen“. Energisch und kämpferisch fordert das Publikum Zugaben, die Wader natürlich bringt.
Joachim Frassl

Die ersten Fotos:

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum

Hannes Wader beim Seesener Kulturforum


Fotos: Antonio Mateo

Nachricht vom 26.9.08 16:20

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