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Hans Scheibner und Familie beim Kulturforum

„Wer nimmt Oma?“ - Das klingt nach Weihnachten. Vor fast genau 20 Jahren war der Kabarettist Hans Scheibner zum ersten Mal zu Gast beim Seesener Kulturforum. Inzwischen stand er das vierte Mal auf der Bühne im Schulzentrum, allerdings nicht allein. Er hatte seine Familie mitgebracht: seine Frau Petra Verena Milchert-Scheibner und Tochter Gesa Friederike, musikalisch begleitet am Steinway-Flügel von Dominik Heinz. „Wer nimmt Oma?“ - Das geht die ganze Familie an!

„Kling Glöckchen“ klingt; ein lebensgroßer Rauschgoldengel in Gestalt von Verena Milchert-Scheibner tanzt über die Bühne. Hans Scheibner bereitet danach argumentativ auf Weihnachten vor, man solle nicht länger nur materiell denken, sondern ideell. Weihnachten habe mit Glauben und Vertrauen zu tun. Wie sehen in dem Licht die Politiker und die Bänker aus?

Das Weihnachtsmärchen in vier Akten kreist um Rotkäppchen und den bösen Wolf. Die Aktualisierungen sind nicht zu überhören: Der Räuberhauptmann heißt Ackermann. Wenn die Tochter (Rotkäppchen) von „Wurfmaschine und Gammelfleisch“ erzählt, „schnallen“ diese Begrifflichkeit die verdutzten Zuschauer beim Seesener Kulturforum erst nach erklärender Übersetzung aus der aktuellen Jugendsprache.

Sankt Nikolaus steht kurz vor der Amtsenthebung. Kein Mensch könne sich mehr über Weihnachten freuen. Die Weihnachtswünsche sind lang und treffen meistens die Politiker. Zerrüttete Familienverhältnisse nur bringen herrliche Ruhe zu Weihnachten. Eine Tagestour durch feuchtfröhliche Weihnachtsfeiern sieht am Ende nur einen nüchtern: den begleitenden Hund Willi. „DB“ meint nicht Mehdorn, sondern Dieter Bohlen: Hans als Penner im Wald - „Ich habe Hunger wie ein Wolf!“ - entpuppt sich als Casting-Werber für „D. sucht den Superstar“.

Das sind alles typische Scheibner-Szenen: aus dem Alltagsleben gegriffen, deshalb nah und in den drastischen Übertreibungen für jeden, der Familie hat, nachvollziehbar. Die Szenen wechseln zwischen mehreren Handlungssträngen: Da ist die Nikolaus-Story, da ist das „Weihnachtsmärchen“ (mit Rotkäppchen), da sind die Lesungen zum Weihnachtschaos. Die Frage „Wer nimmt Oma?“ wird beantwortet, anscheinend zum Besten aller Beteiligten: Sie hat sich nach Mallorca abgesetzt. Hermann und Hermine, das nörgelnde Rentnerehepaar, darf nicht fehlen.

Der Kabarettabend beim Seesener Kulturforum bringt ungeschminktes Theater in bester Brettl-Manier mit komödiantischem Spiel und ist deshalb nah beim Publikum. Die präsentierten Weihnachtsmärchen gehen, wie man es gewohnt ist, gut aus: „Stille Nacht, ALDI lacht“. Der Wolf wird als Vertreter für Sicherheitssysteme entlarvt; der Weihnachtsmann findet endlich auf Erden jemanden der „froh“ ist; jenes „dass Weihnachten endlich vorbei ist“, hört er nicht mehr. Schuss und Schluss: Jäger und Wolf sind identisch. Die Bank kassiert Omas Haus. Die märchenhaften Zeiten sind aus. Das Publikum bedankt sich mit kräftigem Applaus für ein sehr kurzweiliges Kabarett-Programm der Familie Scheibner.

Joachim Frassl

Hier einige Bildimpressionen! Alle Fotos in Kürze in unserer Bildergalerie.

Fotos:










Fotos: Antonio Mateo

Nachricht vom 29.11.08 18:17

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