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Murat Topal beim Seesener Kulturforum

Das Seesener Kulturforum hatte den Berliner Comedian Murat Topal eingeladen. "Getürkte Fälle -- Ein Cop packt aus" hieß das erste Soloprogramm des gelernten Polizisten und Deutsch-Türken, das er dem Publikum in der Seesener Aula präsentierte. Ist das Kabarett oder Comedy? Das ist die Frage. Topals Programm meint "Reality-Comedy". Trotz
der Realitätszeichnungen ist es kein politisches Kabarett, direkt Politisches bleibt ungesagt.

Topal erzählt aus seinem (Ex-)Alltag als Polizist: Aufgewachsen in Berlin-Neukölln ("Stadtteil mit sozialen Minderheiten, jenen mit geregelter Arbeit und Schulabschluss") arbeitet er als "Cop" in Kreuzberg, kommt dort also vom Regen in die Traufe.

Er orientiert sich an dem, was er gesehen und erlebt hat: da erscheint Pasulke, ein Berliner Großmaul mit der dicken Brille; der türkische Kickboxer in Hip-Hop-Mood; zum Feuerwehreinsatz bei einer Tunte; Ruhestörung mit Rex-Gildo-"Hossa" ... Ganz speziell ist auch die deutsch-türkische Hochzeit. Es sind alltägliche, aber lautstarke Belanglosigkeiten, denen Topal Farbe gibt, im Tonfall der verschiedenen Dialekte, Sprechformen und im
Slang; Gesten werden pantomimisch übersteigert und enden auch in Tanzeinlagen, vom Breakdance bis "klassisch südamerikanisch und Latein". Flugerfahrungen mit türkischer Airline, Urlaubssituationen auf "Baccardi-Inseln" und spanischer Souvenirhandel in pakistanischer Hand, die Unterschiede zwischen Straßen- und Beamtendeutsch, der türkische Koch in der Lieblingspizzeria ..., das sind die Themen, von denen Topal berichtet.

Er ist Erzähler, am besten auf Augenhöhe mit dem Publikum, aber die Aula-Bühne erhöht ihn und der Raum ist eigentlich zu groß. Topal braucht die Nähe zum Publikum. Sein Fan-Publikum erreicht er immer. Die Erzählungen reihen sich hintereinander, es ist müßig, dort einen roten
Faden suchen zu wollen. In der Reihung wird der Cop zum Serien-Täter. Die Episoden sind eigentlich selten lustig, nie böswillig, sondern ganz einfach Alltags-Irr-Realität: Nicht die Rhetorik des Comedian, sondern die Wirklichkeit setzt die Pointen.

Die ständigen "Spezialaufträge" seines Chefs Schmidke führen ihn immer wieder in abstruse Situationen: Murat muss einspringen, denn die Bauchtänzerin ist erkältet, was tun? Seine Bauchtanzvorführung schließlich lässt weibliche Eleganz im Slapstick verenden. Auch Murat Topal ist erkältet ("wirklisch! -- Aber das ist keine Schweingrippe"), trotzdem steht er seine Auftritte durch. Nach seinen kraftvollen Kampf- und Tanzeinlagen ist er atemlos.

Neukölln und Kreuzberg liegen weit von Seesen entfernt, aber Murat Topal bringt deren Wirklichkeiten dem Publikum beim Seesener Kulturforum nahe: ernsthaft, ehrlich, augenzwinkernd, "Reality-Comedy" halt. Auch die Äpfel des Kreuzberger Gemüsehändlers Üsküdar kommen zum Publikum, am Ende der Veranstaltung darf man sich im Foyer bedienen.

Joachim Frassl

Fotos: Antonio Mateo


Foto Murat Topal beim Seesener Kulturforum

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Nachricht vom 22.11.09 10:39

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