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Zweieinhalb spannende Stunden Wüstensand

Michael Martin -- Biker, Globetrotter und Fotograf -- entführte in einer "Multivisionsschau" das Publikum des Seesener Kulturforums in alle Wüsten der Welt, in bühnenbreiter Projektion mit nur 1500 Bildern (von 500 000 möglichen!), die trotz der geballten Menge immer wieder fesselten; denn es sind 30 Jahre Abenteuer, die hier komprimiert wurden.

Martin plaudert, teilweise selbstironisch, über die ersten Reiseversuche als 11t-Klässler: Mit dem Fahrrad nach Marokko? Mit dem Mofa zur Sahara? Schon als Schüler hatte Michael Martin von der terra incognita der afrikanischen Wüste geträumt. Später tourt er mit Freunden in alten 100-Mark-Bussen, Kadetts oder Peugeots 504 immer wieder in den Wüstensand. Die Schrott-Autos und die Wüsten sind dabei mindestens vergleichbar große Abenteuer. 1882 durch die Sahara in die Sahelzone. Die Fotos pointieren: Da steht ein einsamer Telegrafenmast mitten in der Wüste. Nicht alle Touren sind der Abenteuerlust allein entsprungen; Hilfsgüter für ein Krankenhaus in Ghana werden in drei VW-Bussen geliefert. Rallye-Schrott von "Paris-Dakar"; ein mutiger Baum in den Dünen entpuppt sich, nah gesehen, als Bonsai-Form. Seit 1991 ist Martin schließlich mit dem Motorrad unterwegs. Quer und längs durch Afrika, bis Kapstadt; zu den Quellen des Nils; zu den Berggorillas im Regenwald, Äthiopien, Armut und immer wieder Armut, Namib, Kalahari, zu den Buschmann-Akteuren des Films "Die Götter müssen verrückt sein"; Eritrea, Hunger. Im Tschad durch Minenfelder: Unbekannte Welten in den Zeitfenstern zwischen den Kriegen.

Parallel zu den vermittelten Erfahrungen von 30 Jahren on tour fühlt das Publikum, wie sich das Sehen eines Fotografen wandelt, wie die Bilder immer durchdachter werden, nicht mehr nur Reflexe auf Naturerscheinungen sind, sondern bezaubernd fotografisch gestaltet sind, dabei ohne aesthetizistische Überhöhung; denn sein sympathisches Herangehen an die fremden Menschen zeugt immer wieder von großem Respekt. Die Poesie von Farben, Kontrasten und Strukturen schafft bleibende Erinnerungen: Da sind die Wind-Modellierungen, die wehenden Haare der Menschen in freundlichem Streiflicht, die farbenfrohe transparente Kleidung der Einheimischen in unwirtlichen Häusern, die Tonreduzierungen im Sandsturm, das plastische Licht tief stehender Sonne.

Später durchquert Martin auf einer Vierjahrestour den Erdball: die "Wüsten" bergen auch Klagen über Chinas Tibetpolitik, tragen die Dramen der Menschen in Afghanistan in sich, beklagen die Situation der Aboriginees in Australien, warnen vor immer stärkerer Desertifikation der Welt und der Zerstörung von Lebensräumen. Endlich wieder zurück in Deutschland empfindet man die deutschen Autobahnen und ihre Raststätten als wüste Gegenden und kann verstehen, warum es Michael Martin immer wieder hinauszieht.

Das Seesener Kulturforum hatte den Mut, den Abenteurer aus Bayern einzuladen. Somit gab es in Seesen eine Premiere: Es war der erste Beamer-Vortrag Martins nördlich des Mains. In den kommenden Jahren will sich der studierte Diplom-Geograf den Eiswüsten der Welt zuwenden.
Vielleicht ist er ja anschließend dann wieder mit seinen Bildern in Seesen.

Joachim Frassl


Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Foto Michael Martin beim Seesener Kulturforum

Nachricht vom 25.11.09 10:56

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