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Denkwürdiger Abend beim Seesener Kulturforum mit Vince Ebert

Geht das überhaupt? Kabarett von einem diplomierten Naturwissenschaftler? Durch die Brille eines Physikers? Das Seesener Kulturforum jedenfalls hat es versprochen und Vince Ebert, den "Urknaller unter den Kabarettisten", in die Seesener Aula eingeladen. Thema: "Denken lohnt sich!" Vince Ebert jedenfalls wird mit erwartungsvollem Applaus begrüßt. Immerhin, so Ebert, sei er "nach Angela Merkel und Oskar Lafontaine der dritte Physiker der sich mit Kabarett das Geld verdient."

Die Fragen nach der Wahrheit in der Erkenntnis berühren den Glauben oder die Physik oder die Esoterik In Bezug auf den Inhalt des geschlossenen gelben Kühlschranks auf der Bühne wird manches plausibiliert. Eberts Hypothese des "Denken lohnt sich!" listet er mit Hilfe eines "Argumentometers" auf; irgendwann heißt es 12 : 0 fürs "Nichtdenken". Trotzdem ist Trost angesagt: Die Überlebenskünstler in der Natur sind die Einzeller, die Amöben; das heißt: "die Dummen sterben niemals aus!" -- Ein weiteres Argument: Sex sei "die einzige Methode, etwas Intelligentes zu schaffen ohne zu denken". Der Kabarettist unterscheidet zwischen der gigantischen "Quantensprung"-Wortwahl der Politiker und dem physikalischen Begriff als "kleinste mögliche Annäherung", so differenziert er zwischen "Floskeln" und "Formeln" oder relativiert die Subjektivität in der Wahrnehmung von arm oder reich, spätestens bei Schumi, Ackermann oder den Fußballergehältern: "Die wahren Heuschrecken im Land sind nicht die Manager, sondern wir selbst".

Wenn Ebert Lebenserfahrungen zum Beispiel anhand eines vorgestellten Fernseher-Fenster-Zielwurfs durch das Gesetz Newtons erklärt und danach durch die Heisenbergsche Unschärfenrelation in Frage stellt, macht "physikalisches" Kabarett klammheimlich Freude. Wieder ist die Blickrichtung die entscheidende und die running gags der Elefantenwitze kommen zum ersten Höhepunkt: "Woraus bestehen die Stoßzähne von Elefanten? Aus Klaviertasten; die schwarzen sind die kariösen!"

Natürlich ist nicht alles pauschal physikalisch erklärbar, mindestens aber in Frage zu stellen. Und in dem Zusammenhang sind dann auch Merkel, Westerwelle, Schäuble oder Razzinger kabarettistische Zielscheibe. Inquisition, Hexenverfolgung und Scheiterhaufen sind Thema. "Du, die Walburga hat aufgehört zu rauchen!" Übrigens: "Der Biss eines einzigen Pferdes kann für eine Hornisse tödlich sein!" Nach zwei Stunden Logik: Am Ende steht das Ergebnis 12 : 0 gegen das Denken, denn es wurden bisher nur die dummen Elemente betont.

In einem hastigen Geschichtsdurchlauf mit den vielen positiven Denk-Anstößen gelangt Vince Ebert am Ende zum Glück doch zu einem Unentschieden auf dem Argumentometer. Gott sei Dank: Denken lohnt sich doch! Und das präsentiert er als Zugabe in einem mitreißenden "selbstvertonten Gedicht". "Denken lohnt sich" fällt das Publikum als Background Chor ein. Es war ein denkwürdiger Abend mit Vince Ebert, der sich für das durchweg begeisterte Publikum beim Seesener Kulturforum auf jeden Fall gelohnt hat!

Bericht: Joachim Frassl
Fotos: Antonio Mateo, Jonas Kleiner

Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum

Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum

Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum

Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum

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Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum

Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum

Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum

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Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum

Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum

Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum

Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum

Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum
Foto oben: Schulpraktikant Jonas Kleiner mit Vince Ebert nach seinem Auftritt beim Seesener Kulturforum und nachfolgend die ersten drei Livefotos von Jonas als Pressefotograf.

Foto Vince Ebert beim Seesener Kulturforum

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Nachricht vom 15.1.10 17:41

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