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Götz Alsmann & Band beim Seesener Kulturforum

Götz Alsmann und seine Band sind beim „Seesener Kulturforum“ gern gesehene Gäste. Auch viele Zuschauer von auswärts zieht es nach Seesen. Während im Fernsehen „Zimmer frei“ lief, gab es in der Aula des Schulzentrums Alsmann live: Die Bühne ist voll gestellt mit Rhythmus-Gerätschaften, aus denen die Vibraphon-Insel links und der Steinway-Flügel im Zentrum herausragen.

„Engel oder Teufel“ sind der Titel und die Fragestellung des aktuellen Alsmann-Programms. Markus Passlick, der „Mann für die exotischen Töne“, kündigt Alsmann als den „Dr. Mabuse des deutschen Jazz-Schlagers“ an. Der „Jazz“ bleibt, besonders in der ersten Sektion, südamerikanisch und rhythmisch „auf dem Punkt“. „Engel oder Teufel“, so der erste Titel, nach dem Alsmann sich als Entertainer „mit mephistophelischem Dauergrinsen“ oder als „Putto, frisch gewindelt“ präsentiert. Die E-oder-T-Frage bleibt den Abend über in der Schwebe. Die Götz-Alsmann-Tolle und sein Mienenspiel gebärden sich eher diabolisch, Musik und Texte sind höllisch gut.

Das Programm wird durch drei Freunde bestimmt, so der musikalische Chef: „durch Rhythmus, Text und Melodie“. Alsmann ist als Conferencier ein diabolischer Schnellstplauderer, als Sänger ironisch, als Texter witzig und frech, stimmlich flexibel bis geräuschvoll, aber nicht mit engelhaftem Bel Canto versehen. Seine Flügel-Betastungen sind virtuos und verspielt, während die Füße unter der Klavier-Bank ChaCha tanzen. Roy Black („Die Sonne, The Sun“) wird Gedicht und Udo Jürgens („Siebzehn Jahr, blondes Haar“) wird verjazzt. Der alte Titel „Die Nachtgeister ziehn vorbei“ erscheint als temperamentvoller wildwestlicher Walkürenritt.

Als Solist neben Alsmann bringt sich Alfred Maria Sicking am Vibraphon ein – ebenfalls virtuos. Rudi Marholz am Schlagzeug und Michael Müller am E-Bass geben den rhythmischen Background, während Markus Passlick als vielseitiger Percussionist seltene Klangfarben dazu mischt. Manchmal ist er Clown im Hintergrund, „der mit den anderen Tönen“. Das Seesener Publikum kennt von früheren Veranstaltungen seine musik-kabarettistischen Einlagen: Aktuell führt er sein „Nachtigallen-Gefäß“ vor und erläutert gestenreich („in wörtlicher Übersetzung“) die westfälische „Orthruper Nachtigall“ und die Wacholderdrossel, „wissenschaftlich“ argumentierend als „Ornitologe oder Ornitopath“. „Zauberflöte“, mozarte „Mozzarellakugeln“ und Vogelfängerarie enden schließlich bei dem Schrei der Stockente.

Nach der Pause werden Alsmann & Band vielleicht doch in Liebesliedern engelhafter und sentimentaler („Die Sonne schien im Januar“, „Dein Foto steht vor mir“). „Weit weg mit Dir“ ist jetzt „richtiger“ Jazz, swingend, mit spielerischem Scat-Gesang, Sprach- und Geräuschakrobatik, ehe die hämmernde Dominanz der Rhythmusgruppen die aufkeimende Poesie wieder überlagert. Also doch ironisch-diabolisch?

Der lange Zugabenteil gibt zum Schluss noch ein fast eigenständiges Konzert, mit vielen Improvisationsteilen und Temposteigerungen. Solistisch werden noch einmal Sicking und Marholz hervorgehoben. Das „Seesener Kulturforum“ bedankt sich bei den Musikern mit weißen Rosen, das begeisterte Publikum mit viel Applaus.
Joachim Frassl

Foto:Antonio Mateo

Foto:Antonio Mateo

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Foto:Antonio Mateo

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Foto:Antonio Mateo

Foto:Antonio Mateo

Foto:Antonio Mateo

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Foto:Antonio Mateo

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Nachricht vom 18.10.10 14:40

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