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Florian Schröder beim Seesener Kulturforum

„Ich bin glücklich, hier zu sein“, so offenbart sich Florian Schroeder beim Seesener Kulturforum. Das sei auf den meisten Kabarettbühnen der meistgebrauchte Einstieg. Das sei in der Regel gelogen. Schroeder ist „Kabarett-Dienstleister“, er kommt schnell „ins Spiel“. Das Programm „Du willst es doch auch“ ist zwar schon drei Jahre alt, die Rollen und Stimmen der Politiker aber sind noch reifer, um so mehr Grund für scharfe Satireattacken.

Schroeder ist sofort aktuell beim Schlichtungs-TV Stuttgart 21, bei den Sarrazin-Festspielen, beim Sprengstoff-Thema aus dem Jemen. Und natürlich bei Schwarz-Gelb. Diese Koalition sei eine „historische Notwendigkeit.“ Sie würde Fakten schaffen, so dass die Menschen wieder auf die Straße gehen. Zu Erika Steinbach sagt er: „Auch wir haben Migranten, die sich nicht integrieren wollen!“

Der Kabarettist ist ein Meister der Parodie: Kaum zu übertreffen als Angela Merkel, der „Perle der Uckermark“. Springend zwischen Jogi Löw und Guttenberg, Westerwelle und Stoiber beweist er seine Parodietalente; Spitze ist zwar auch der Schroeder-Köhler,obwohl dieser etwas überwürzt nach Richling schmeckt.

Florian Schroeder nimmt auch die eigene Generation ins Visier: Jene Apple-usernden Bachelor-Absolventen, permanent mit Vollgas im Leerlauf, als gesten-gleiche I-Phone-User neben ihrem Latte Macchiato auf der Cafehaustheke ihres globalen Dorfs.

Schroeder ist ein genauer Beobachter und Hinhörer: Westerwelles Sprache wirkt wie die eines Bühnen-Schauspielers ohne Mikrophon, überlaut und artikulationsbetont. Manchmal gibt es nichts mehr zu karikieren: Eine Öttinger-Rede in englischen Aussprache- und Ableseversuchen muss aus der Konserve eingespielt werden, weil man einer kabarettistischen Parodie nicht glauben würde. „The next Stoiber is born!“ Logisch also: auch Stoiber bekommt noch die Ehre, gleichfalls mittels Tonkonserve zum deutschen Kabarettismus beizutragen.

Als „Dienstleister“ macht Schroeder einen hervorragenden Job: er bringt das Publikum auf Touren, immer schneller, weiter, je länger der Abend beim Seesener Kulturforum dauert.Er spielt mit dem Publikum beim heiteren Kabarettisten-Raten. Dieter Nuhr, Jochen Busse
und Mathias Richling erscheinen als Gäste in „Ottis Schlachthof“. Schroeders Ottfried- Fischer-Parodie wird lange in Erinnerung bleiben. Die Mimik ist der eines Gerd Fröbe würdig.

In Erinnerung werden daneben die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin aus dem Jahr 2058 und die in Gesten übersetzte „Transrapidrede“ Edmund Stoibers bleiben. Als
immer noch weiter steigender Stern am deutschen Kabaretthimmel wird Florian Schroeder hoffentlich auch in Zukunft zum Programm des Seesener Kulturforums gehören.

Bericht: Joachim Frassl / Fotos: Antonio Mateo

Foto:Antonio Mateo

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Nachricht vom 2.11.10 11:09

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