Direkt zum Inhalt




Heinz Becker und Gerd Dudenhöffer beim Seesener Kulturforum

Seesen (jf) Der saarländische Kabarettist Gerd Dudenhöffer hatte seine Kunstfigur „Heinz Becker“ jetzt auf Einladung des Seesener Kulturforums wieder einmal auf die Bühne im Schulzentrum gebracht. Das aktuelle Programm, betitelt „Kosmopolit“, bringt allerdings keinen „Weltbürger“ mit Weitblick auf die Seesener Bühne, denn Beckers Welt ist der heimische Schrebergarten. Symbolhaft thront er auf einem quadratmetergroßen Spatenaushubstück Rasen, erhöht wie auf einem Predigerpodest, das gleichzeitig seinen engen Horizont aus Gartenstuhlperspektive darstellt. Das enge Wiesengeviert ist die kleinbürgerlich heile Welt. Über diese Grenzen lässt sich – von höherer Warte aus – wahrlich nach draußen blicken! Die Argumente über die Grenzen hinaus fassen, begreifen nur das Naheliegende.

Die Floskeln großer Reden versickern in Sprachlosigkeiten und hilflosem Fingernachbohren auf den Knien. Die Lebensweisheiten erschöpfen sich im „Guck nicht über de Tellerrand“ und „Wer mit den Wölfen heult, kommt net so schnell auf den Hund!“ „Es Hilde“ ist leider erkrankt, so dass der Heinz einsam und allwissend monologisch die Welt seziert. Sein Gesichtsausdruck ist stoisch unbewegt, genau so fest und unerschütterlich wie seine Meinung, der Heinz ist ein pausenloser Dummschwätzer im kleinbürgerlichen Spießerformat, zwei Stunden lang. Das kleinkarierte Weltbild unter seiner ebenso kleinkarierten Kapp macht sinnfällig: Von Nichts eine Ahnung, aber zu allem was zu verzähle. Es ist auf die Spitze getriebenes Dummg´schwätz und es gibt beim Publikum sehr viel zu lachen.
Die Sprüche, die er sich zurecht legt, sind falsch verstandene Zitate („Die Armen leben in eigenen Gebieten. Weit weg. Wo befindet sich da die Armutsgrenze?“ - „Ich brauchte früher nicht mein Licht unter den Chef zu stellen!“), Fremdwörter sind schwierig: „Quantanamera, das Ausbildungslager für Gefangene auf Kuba“. Dem Becker Heinz seine Gedankenketten entlarven sein Denken. So trifft man die Wirtschaftsweisen neben den Heiligen drei Königen, landet über Kopftücher und „Halbtagsneger“ bei den Schwarzen und Grünen in der Politik. Stammtischwissenschaft als Stellungsgespräch endet in verklemmter Sprachlosigkeit und zielt doch auf den gesunden Menschenverstand. Dudenhöffer-Beckers Argumentationsketten über künstliche Befruchtung landen bei Etikettierungen von „Erzeugerabfüllung“ auf Weinetiketten; sie sind kurzschlüssige Umleitungen, „das fehlende Glied in der Kette“ hin zum „Reaktionsglas“. Es sind die Kurzschlüsse, die lauthals belacht werden.
Die Ebenen des „politischen“ Kabaretts sperren sich gegen den Kleingeist Becker. Immerhin: Politikernamen (Sarkozy oder Geißler) werden eingebaut in die Witzsituationen, „Stuttgart 21“ bleibt ein Schlagwort. Am Ende lacht man über den hilflos erklärenden Heinz Becker. Das Einmann-Theaterstück ist zeitlos und nie aktuell. Für eine Entlarvung der Politiker und Wirtschaftsbosse kann der Heinz in seiner Sprachlosigkeit nichts beitragen. Er ist die tragische Figur auf der Bühne. Komisch ist der abgrundtiefe, schwarze Humor Gerd Dudenhöffers. Geschickt steigert er die Pointen bis über das Unsagbare hinaus. Das Publikum beim Seesener Kulturforum bleibt außen vor, genau wie „es Hilde“, aber die hätte auf der Bühne wirklich nichts zu lachen. Die Zuschauer belachen das dumme Geschwätz vom Heinz und beklatschen am Ende Gerd Dudenhöffer, der sich nach einer Zugabe verabschiedet: Ohne Kapp!

Bericht: Joachim Frassl

Fotos: Eileen Wunderlich und Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Eileen Wunderlich

Foto: Eileen Wunderlich

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Eileen Wunderlich

Foto:Antonio Mateo

Foto: Eileen Wunderlich

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Eileen Wunderlich

Nachricht vom 11.12.10 20:51

zurück

Druckversion

 

 

Seitenanfang

 

 

 

 

 

 

 

Werbung
Werbung