Direkt zum Inhalt




Biermösl Blosn und Gerhard Polt beim Seesener Kulturforum

Inzwischen ist die Bayerntruppe zum wiederholten Mal in der Harzstadt. Immer wenn die bayrische „Biermösl Blosn“ zum Kulturforum nach Seesen kommt, dazu Gerhard Polt mit dabei hat, ist die Seesener Aula bis zum letzten Platz gefüllt, das Tournee-Auto der Well-Brüder Hans, Michael und Christoph offensichtlich ebenso: Die Bühne ist so voll gestellt mit Musikinstrumenten, dass während der Blosn-Tournee der Heimatort wahrscheinlich instrumentenlos ist.

Dem werten Publikum werden zu Beginn durch Hansi Well die bayrischen Grüße von Ilse Aigner übermittelt. Auch sonst kommt in den folgenden Stunden viel Bajuwarisches an. Die provinzielle Bayern-Perspektive wird auf den nord-westlichen Harzrand übertragen: Die von den Wells ausgesprochene Hoffnung für Seesen, Meinecke könne endlich neu gebaut werden, kennt das Publikum bereits vom vergangenen Auftritt der Biermösl-Buam (2007) und sie könnte in Zukunft noch zum Running Gag gereichen, denn die Jungs werden garantiert wieder nach Seesen kommen.

In Bad Hausen gibt es vergleichbare Lokal-Politik-Visionen. Die niedersächsische „Oberschule“ bekommt ihr Melk-Fett weg. Gerhard Polt ist mehr als früher in Seesen in eigenen Ansprachen präsent, für ein „Kulturprogramm“ mit Hendl-, Bier- und Weißbierkonsum, gegen das ewige „Mediengschwirl“. Wenn es um einen Bürgermeister-Nicht-Rücktritt „nach 30 Jahren“ geht, kommt auch Ägypten aktuell ins Gespräch. Ob Riez oder Riad, die „Achse des Bösen“ führt letztlich nur zum moscheeähnlichen Orientteppichhaus. Nicht aufregen also, solange die heimische Wirtschaft Profite anhäuft.
Die Biermösl-Musiker führen Mozarts Weg nicht nur kunstvoll über Hausen, sondern auch zu dem dort erdachten „Divertimento Bavarese“, bei dem Christoph Well als Trompetensolist die Volkstümlichen an Ziehharmonika und Tuba neben ihm überragt.

Polt outet sich als notorischer Nicht-Fußgänger: Das neue Auto muss alle Extras haben (auch ROPS = „Roll Over Protection System“) und gleichzeitig kompatibel zur mitbestimmenden Frau sein, wenn auch die Elfenbein-Armaturenknöpfe ökologisch nicht vertretbar erscheinen.
Die Biermösl Blosn gibt saitenweise Ratschläge für Harz IV: „Werden Sie einfach reich!“ In einer Vernissage-Szene zwischen Geld und Kunst gelingt die Subventionierung eines einheimischen Künstlers nur zum Teil. Einträglicher erscheinen „Bausparverträge an ambulante Kunden“ (Asylanten), Motto: „Verhinderung von Nomadisierungen durch Sesshaftmachung“! Polts Argumentation klingt logisch, ist kleinkariert, scheint überzeugend und denkt hinterhältig. Bei Gerhard Polt merkt man immer zu spät, wann die Bewegung auf der schiefen Bahn nicht mehr zu stoppen ist. Das ist große Kabarett-Kunst.

Daneben kann sich aber auch die neue Olympia-Hymne der Biermösl hören lassen: „Wellcome to Bavaria“. Polts lange epistula in lingua latina gerät zur Mixa-Tour mit den Regensburger Domspatzen und endet in der Psychiatrie. Das benutzte Bild ist hier nicht drucktauglich, weil analphabetisch. Auch die Well-Brüder tönen liturgisch a capella, wenn es um „Banca Bavaria“ und „fratres zasteriensis“ geht. Der Klingelbeutel reicht weit hinein in den Zuschauerraum („Der Arm Gottes erreicht alle!“).
Landler-Einläufe, ein „Abfentslied aus der 3. Welt“, ein „Ear Worm“ zum Mitsingen: „E-mam-be-le“, Holzhackerbuam, Bayern-Fußball und Schuhplattln mit Kung Fu-Tritten.

Zum auffetzenden Alphorn-Terzett liefert Polt den Atmo-Ton, tierisch, in dezentem Kuhglöcklein-Klang und mit finalem „Oh Yeah!“ – Sakrisch guat waren die Bayern. Und Gerhard Polt zum Publikum, gratulierend: „Wirklich gut das Kulturforum, das Ihr habt´s in Seesen!“

Joachim Frassl

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Foto: Antonio Mateo

Nachricht vom 13.2.11 16:21

zurück

Druckversion

 

 

Seitenanfang

 

 

 

 

 

 

 

Werbung
Werbung